Luftzwischenfälle über dem Eisernen Vorhang

Luftzwischenfälle über dem Eisernen Vorhang

An der Grenze der beiden großen Militärblöcke des Kalten Krieges in Deutschland und der Tschechoslowakei kam es immer wieder zu Grenzüberflügen und zu Luftkämpfen. Einige Flugzeuge wurden abgeschossen und Besatzungsmitglieder starben bei diesen Konflikten.

 

Am 7. März 1953 verstarb der sowjetische Diktator Josef Stalin überraschend an einem Schlaganfall. Obwohl sein Tod Hoffnungen auf Entspannung nährte, kam es drei Tage später zu einem der schwerwiegendsten Zusammenstöße des Kalten Kriegs, als ein amerikanischer Jagdbomber von tschechoslowakischen Kampfflugzeugen abgeschossen wurde. Dieser, wie auch ein anderer Luftzwischenfall zwei Tage später, führte zu heftigen Reaktionen auf beiden Seiten.
Als Nahtstelle zwischen den Blöcken war neben der späteren Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR auch die deutsch-tschechische Grenze Schauplatz zahlreicher Vorkommnisse. Die Entwicklung an dieser verlief jedoch zunächst etwas anders als an der Demarkationslinie zwischen den britischen und amerikanischen sowie der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland. Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren amerikanische Truppen bis nach Pilsen vorgestoßen, während die Rote Armee Prag eroberte. Gemäß den in Jalta getroffenen Absprachen zogen sich die Amerikaner nach einigen Wochen zurück. Zunächst räumten die Sowjets der wieder entstandenen Tschechoslowakischen Republik im Vergleich zu den anderen osteuropäischen Staaten einen relativ großen Handlungsspielraum ein. Nach dem kommunistischen Umsturz Ende Februar 1948 geriet das Land immer stärker unter den Einfluss der UdSSR, während das Verhältnis zum Westen schnell abkühlte. Die zahlreichen repressiven Maßnahmen der stalinistischen Machthaber veranlassten viele Tschechen und Slowaken zur Flucht in den Westen, zuweilen auch über den Luftweg. So flogen mehrfach Zivil-, aber auch Militärmaschinen nach Bayern, vor allem zu Flugplätzen im Raum München. Beispielsweise flüchtete am 24. Mai 1948 Poručík (Leutnant) František Novak, Angehöriger des letecký pluk 4 (Fliegerregiment 4) mit seiner Avia S-199 mit der Bordnummer KS-10 und der Werknummer S 199.54 vom Militärflugplatz Planá bei České Budějovice (Budweis) und landete auf der amerikanischen Neubiberg Air Base. Die S-199, war ein Nachbau der Messerschmitt Bf 109 mit Jumo-Motor und bildete gegen Ende der vierziger Jahre das Rückgrat der tschechoslowakischen Luftstreitkräfte (Československé Vojenské Letectvo). Die Maschine wurde erst nach über einem Jahr an die tschechoslowakischen Behörden zurückgegeben. In der Folge verstärkte Prag die Überwachung seiner Grenzen zu Lande und in der Luft. Trotzdem kam es von beiden Seiten immer wieder zu Luftraumverletzungen, sei es unbeabsichtigt oder mit Vorsatz, deren Häufigkeit ab 1950 stark zunahm. Es wurden ab 1952 gezielt nächtliche Aufklärungsflüge im Luftraum der östlichen Staaten durch hoch fliegende RB-45 Tornado und Canberra mit Besatzungen der RAF durchgeführt, gegen welche sich die östliche Luftverteidigung zunächst machtlos zeigte. Ein Zusammenstoß war daher nur eine Frage der Zeit.